Spital Bräu: Bier mit 800 Jahren Geschichte

Gärung
Gärung

Auf den ersten Blick haben ein Seniorenheim und eine Bierbrauerei nicht viel miteinander zu tun. Im bayrischen Regensburg ist ein solcher Zusammenhang jedoch gar nicht so unüblich. Die Verbindung schafft eine Stiftung, in diesem Fall die St. Katharinen Spital Stiftung in Regensburg. Sie vereint unter ihrem Dach einen Forst und Gaststätten, ein Archiv, die Pfarrei, das Altenheim – und die Brauerei. Das ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Tatsächlich wurde das Spital Bräu schon im Jahr 1226 erstmals erwähnt, mit dem Heim zusammen ab 1246. Mit dem Bierverkauf ließ sich ein Teil der Kosten des Altenheims decken.

Nicht nur das: In dieser Zeit hatte Trinkwasser nicht dieselbe Qualität wie heute. Bier war durchaus die gesündere Wahl – und überdies noch schlaffördernd. Eine passende Kombination also, eine Brauerei und ein Altenheim. Noch heute bekommt jeder Bewohner des Seniorenheims eineinhalb Liter Spital Bräu die Woche umsonst. Damals war es allerdings eher ein dreiviertel Liter pro Tag. Das alles und noch so viel mehr weiß man, weil das Archiv, das ebenfalls zur Stiftung gehört, Dokumente von 800 Jahren besitzt. Darum, so erfahren wir bei einer Führung während unserer Bloggerreise nach Regensburg, kommen auch heute so gerne Forscher in dieses Archiv: Sie können aus den Unterlagen beispielsweise recht einfach herauslesen, was vor 500 Jahren in der Region gekocht und eingekauft wurde, denn die Unterlagen aus der Altenheimverwaltung sind dort auch abgelegt. Auch die Inflation lässt sich dort über lange Jahre beobachten: Was kostete ein Liter Bier vor 300 Jahren? Vor 100? Vor 50?

Mandarine Bavaria fürs Pale Ale

Das Spital Bräu wird übrigens direkt neben dem Seniorenheim mit seinen 85 Plätzen gebraut: Im Keller des historischen Gebäudes stehen moderne Maschinen. Zu den 15.000 Hektolitern, die dort im Jahr produziert werden, gehören seit 2013 auch trendige Sorten wie ein Indian Pale Ale oder ein Summer Ale. Nicht alle Gäste im Biergarten vor der Brauerei und dem Altenheim waren darüber am Anfang erfreut. Musste denn dieser neumodische Quatsch sein? In einer Brauerei mit dieser Tradition? Es bedurfte einiger Erklärungen, bis das Bier angenommen wurde. Gebraut wird es immerhin genau so nach dem deutschen Reinheitsgebot wie die klassischen Sorten. Allerdings sind manche Biere eben hopfen- oder malzlastiger. Und auch beispielsweise die Hopfensorten unterscheiden sich im Geschmack so stark, dass man damit andere Biernoten erreicht, als früher. So ist beispielsweise im Pale Ale eine Hopfensorte, die Mandarine Bavaria heißt und dem Bier einen fruchtigen Geschmack gibt.

Spitalbräu ist ein regionales Bier – davon gibt es im Freistaat noch etwa 600 weitere. Das Einzugsbiet der Spitalbrauerei liegt bei etwa 30 Kilometern. Liebhaber gibt es aber auch in Irland und Mailand. Und auch Chinesen freuen sich ab und zu darüber, denn die Partnerstadt Regensburgs ist Qingdao, ebenfalls eine Stadt mit einer langen Brautradition nach deutschen Regeln.

Wer diese und noch viel mehr Geschichten zur Spitalbrauerei hören möchte, sollte dort eine Führung buchen. Die Brauerei liegt direkt an einem der Regensburger Wahrzeichen, an der Steinernen Brücke, und zwar auf der Seite des Stadtteils Stadtamhof. Gegenüber, auf der anderen Seite des Flusses, liegt ein weiteres Traditionsunternehmen: die Wurstkuchl, angeblich Deutschlands älteste Wurstküche. (demnächst mehr)

Unsere Führung durch die Brauerei sowie unser Mittagessen samt Bier ging auf Kosten von Regensburg Tourismus, die uns zur Bloggerreise eingeladen hatten.

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