Kulinarische Führung übers Nürnberger Volksfest

Volksfestkönigin Carina bietet gebrannte Mandeln an
Volksfestkönigin Carina bietet gebrannte Mandeln an
Essen auf Jahrmärkten ist immer fett und fast food? Stimmt nicht! Beim Spaziergang mit Volksfestkönigin Carina über das Nürnberger Volksfest habe ich gelernt, dass dort ganz viel frisch zubereitet wird: Chili-Bratwürste beispielsweise genau so wie Churros oder die Brezen von Harthagel. Das erfordert auch eine ausgefeilte Logistik.

Natürlich gibt es schokolierte Äpfel und Trauben nicht erst seit gestern. Was man aber eher selten an Ständen mit Schoko-Früchten findet, sind Walnüsse, Datteln oder Chili-Schoten, wie sie Früchte Krug im Angebot hat. Auch Himbeeren oder Heidelbeeren in Schokolade sind eher ungewöhnlich. Sie gibt es bei Julia Müller von Hawaii Früchte auf dem Nürnberger Volksfest. Das Besondere daran: Ihre Zartbitterschokolade ist vegan und glutenfrei, letzteres gilt auch für die weiße Schokolade und die Vollmilch. Überhaupt ist vegetarisches und veganes Essen selbst auf Volksfesten auf dem Vormarsch. So gibt es beispielsweise auch zwei Pommesstände, die rund 20 verschiedene Soßen anbieten – die meisten davon sind für Veganer geeignet. Steinis Holzofenpizza hat ebenfalls Angebote für Vegetarier: Champignons und Rucola als Belag sind dort beliebt, „Pizza und Salami aber trotzdem noch die Favoriten“, sagt Stephanie Steinbauer, die sechste Generation einer Schaustellerfamilie. Ihr Mann Denis ist sogar schon die siebte Generation, und zusammen haben sie Deutschlands erste reisende Holzofenpizza. Für ihre Beläge lassen sie sich immer wieder neue Varianten einfallen. Exotisch, aber durchaus gern genommen, ist die Pizza mit BBQ-Soße anstelle der Tomatensoße.

Genuss-Experimente

Ungewöhnlich sind auch die Geschmacksrichtungen der gebrannten Mandeln, die die 75-jährige Inge Krug mit strahlenden Augen verkauft: Manche schmecken nach Erdbeere, andere nach Pfefferminze. Volksfestkönigin Carina erzählt mir: „Wenn Inges Sohn Klaus die Mandeln zubereitet, ist soviel Pfefferminz in der Luft, dass Besucher mit geschwollener Nasenschleimhaut wieder durchatmen können, wenn sie am Stand vorbeigegangen sind“.

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Auch bei Melanie Kreis gibt es eine Besonderheit: Sie hat seit 30 Jahren Crepe im Angebot und seit zehn Jahren Flammkuchen. 2015 kam ihr 12-jähriger Sohn auf den Gedanken, einen Flammkuchen zu rollen. Er fragte, warum man ihn eigentlich nicht gerollt anbiete, schließlich ließe er sich so viel einfacher essen. Melanie Kreis probierte es aus, und der von ihr Flap genannte Rollflammkuchen kam bei den Besuchern so gut an, dass sie ihn schützen ließ und dieses Jahr wieder verkauft. Crepes gibt es übrigens auch bei Hans-Heinrich Keller. Sein kleines Geheimnis: Man muss den Teig gehen lassen. Drei bis vier Stunden auf jeden Fall, am liebsten über Nacht. Er raspelt in seinen Crepeteig Vanilleschote – und überhaupt kommt kein Teig in die Pfanne, wenn er ihn nicht vorher selbst getestet hat.

Fleisch und Fisch

Der Biergarten bei Dölles
Der Biergarten bei Dölles
Die Enkel von Helmut Dölle werden künftig die zehnte Generation der Schaustellerfamilie sein. Bei ihm und seinen Söhnen gibt es auf einem Schwenkgrill über Buchenholz gegrillte Würste: Die fränkische Bratwurst ist ziemlich grob, der Metzger stellt sie nach dieser Rezeptur speziell für Dölle her. Außerdem bekommt man hier Schnapswürstchen mit einem Prozent untergemischtem Obstler. Die Würstchen kann man wie bei vielen anderen Anbietern auch, im kleinen Biergarten neben dem Verkauf essen. „Wir wollten nicht, dass hier auf den Tischen getanzt wird“, sagt Dölle. Darum verzichte man auch auf Maßkrüge. Stattdessen sitzen die Gäste in einer Laube, die verziert ist mit Dirndlen, Töpfen und einem alten Bauernbett. Viele der Gegenstände hat Dölle mit seinem Sohn auf den Bauernhöfen in der Region eingesammelt.

Kevin Pazdera hat über 28 Sorten Fisch im Angebot: Hering, Forelle und Karpfen beispielsweise, aber auch die Makrele, die am Stock gegrillt wird und hier Steckerlfisch heißt. Damit der Fisch bei den Temperaturen um die 30 Grad nicht verdirbt, hat er vier mobile Kühlhäuser dabei – und wird bei Bedarf auch täglich frisch beliefert. Ähnlich ist es bei Cornelia und Klaus Hellberg am Stand: Dort gibt es beispielsweise Sherry- und Räuchermatjes aber auch Flusskrebse in einer Senf-Honigsoße. Und: Die Brötchen für die Fischweck backt man dort selbst, im Prinzip rund um die Uhr. Dafür braucht man natürlich auch jede Menge Personal: Als ich am Samstagabend vorbeikomme sind sieben Leute am Stand im Einsatz. Parallel zum Volksfest in Nürnberg hat die Unternehmerfamilie einen Stand in Rosenheim und baut gerade in München und Crailsheim Stände auf. Es werden mit die letzten des Jahres sein, denn die Saison für Schausteller geht von Ostern bis Ende Oktober, allerdings werden auch die Weihnachtsmärkte immer beliebter. Wer auf einem der vielen Volksfeste einen Stand möchte, muss sich übrigens ein gutes Jahr vorher darum bewerben.

Ich war während einer Bloggerreise in Nürnberg und habe für Speisen und Getränke auf dem Volksfest nichts bezahlt.

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