Es ist der Heiland: Bierlikör aus der Hallertau

Bierlikör aus Bayern
Bierlikör aus Bayern

Die Frau, die in München vor mir in den ICE einsteigt, hat einen Stoffbeutel bei sich. Darauf ist ein junger Mann zu erkennen, ein Hipster mit Bart und Männerdutt. Über ihm: ein Heiligenschein. Kein Zweifel, es ist der Heiland. Ich erkenne ihn sofort, denn auch ich habe ihn kennengelernt, gestern erst. Das war in Nandlstadt. Der Ort liegt etwa eineinhalb Stunden von Nürnberg entfernt, 20 Minuten sind es bis Pfaffenhofen an der Ilm, dem Zentrum der Hallertau, dem weltweit größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet.

In Nandlstadt fällt es auf, wenn ein Auto mit fremdem Kennzeichen zweimal vorbeikommt, so klein ist der Ort. Und in Nandlstadt steht ein Eckhaus, in dem viele junge Unternehmen und Institutionen untergekommen sind: eine Musikschule ist dort, ein Jugendzentrum, eine Hebamme hat hier ihre Räume – und die Firma Beer Liqueur Foundation, die den Heiland herstellt, einen Bierlikör aus Doppelbock.

Hinter der Firma stecken drei junge Männer: Stefan und Max Hofstetter sind 25 Jahre alt, und Kay Thieme ist 28. Hört man ihre Geschichte, so scheinen sie das perfekte Trio für ihr Produkt zu sein. Max ist ein Kreativer, er fotografiert, macht Filme und ist Grafiker. Kay hat lange in der Gastronomie gearbeitet und sei außerdem sehr experimentierfreudig, erfahre ich. Und Stefan selbst, der mir die Beer Liqueur Foundation vorstellt, hat in einer experimentellen Bar gejobbt, in der nur heimische Zutaten für Cocktails verwendet wurden. „Da in Deutschland keine Zitronen wachsen, kam also auch kein Zitronensaft in die Getränke“, erklärt er mir. Außerdem ist Stefan zäh: Er hatte sich schon lange gefragt, warum es eigentlich keinen guten Bierlikör gibt. Dann hat er sich Bücher gekauft und ausprobiert. So lange bis ein Bierlikör dabei herauskam, den er gut fand. Den stellte er Max und Kay vor – und die beiden waren Feuer und Flamme. Das war die Geburtsstunde des Heilands.

Die Geschichte des Heiland

Sieben Monate haben sie am Rezept gefeilt, sicherlich 100 Mischungen ausprobiert, drei bis vier pro Woche waren es bestimmt. Dann haben sie Kays Kontakte genutzt und Heilandproben in den Bars verteilt. Und schließlich eine Firma gegründet, so richtig mit Business Plan und Finanzierung. Letzteres war gar nicht einfach, den Gründungen in der Spirituosenbranche werden nicht so gerne unterstützt wie andere Firmen. Schließlich war es die örtliche Bank, die den Dreien das nötige Geld gegeben hat.

Angemeldet haben sie ihr Unternehmen im Juli 2014. Als nächstes brauchten sie die nötige Ausstattung: einen großen Topf, der 150 Liter fasst beispielsweise, Tanks und überdimensionierte Rührwerkzeuge wie Kochlöffel. Die ersten Mischungen haben sie in der Küche einer Hauswirtschaftsmeisterin gemacht, dazu mussten sie ihre gesamten Gerätschaften mit einem Anhänger hin und her fahren. Jetzt, in ihrem Eckhaus ist das einfacher: Im Erdgeschoss haben sie drei Räume. Auch die Geräte haben sich verändert: Der Topf fasst jetzt 500 Liter, die Rührwerkzeuge wurden noch größer.

Im Heiland steckt viel Handarbeit

Für ihren Bierlikör kochen sie Bier zunächst bis es eindickt. Gleichzeitig werden Gewürze in Rum eingelegt. „Vanille beispielsweise“, sagt mir Stefan. Die anderen Gewürze verrät er nicht, Betriebsgeheimnis. Dann mischt man Bier und Rum, rührt die Mischung täglich durch, und lässt sie etwa eineinhalb Monate reifen. Schließlich füllen sie sie ab, derzeit noch von Hand:“200 Flaschen schafft man in der Stunde“, sagt Stefan. Die kleineren Flaschen seien aber schwieriger, denn sie muss man halten und gegen die Abfüllung pressen. Und dann wird etikettiert – ebenfalls noch von Hand.

Stefan Hochstetter über den Heiland

Ihre Zielgruppe sind nicht diejenigen, die sich auf Partys besaufen wollen. Dazu wäre der Heiland auch zu teuer. Ihnen geht es vielmehr darum, Genussmenschen zu erreichen, eher die jüngeren, ja, aber eben die, die auch bereit sind, zu zahlen. Ihren Bierlikör gibt es über das Internet oder in Feinkostläden und bei vielen Getränkehändlern. „Wir akquirieren jeden Tag“, sagt Stefan, „und wir bekommen viele Absagen“. Manchmal seien es 25 am Stück, dann aber wieder 5 Zusagen hintereinander. „Man darf nicht aufgeben“, sagt er. Das hat er in den letzten eineinhalb Jahren gelernt. Nicht aufgeben, nie. Und fragen müsse man, dann helfen alle: Die Bank mit dem Kredit, das Zollamt beim Ausfüllen der Formulare, ein Braumeister mit Werkzeug und Wissen. In der Zwischenzeit laufen die Geschäfte so gut, dass zwei Vollzeitstellen bezahlbar sind. Wenn es nach Stefan, Max und Kay geht, ist das jedoch erst der Anfang. Na denn: Prost!

Mehr über die Beer Liqueur Foundation gibt es auf der Seite der Bayern Tourismus Marketing, die zusammen mit dem Kommunalunternehmen Strukturentwicklung Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm die Bloggerreise bezahlt haben.

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